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Was nun, Mutter?

August 25, 2013

In den letzten Wochen habe ich einige Beiträge amerikanischer Adoptiveltern äthiopischer Kinder in einem Forum für ebensolche Familien verfolgt. Wieder und wieder bin ich hängen geblieben an ein und demselben Thema:

Meist wird es eingeleitet mit der Beteuerung, man sei sich nicht sicher, ob …/man wolle niemanden beschuldigen, dass … das merkwürdige Verhalten von Lehrkräften und Betreuern in der Schule mit der Hautfarbe und/oder der Tatsache der Adoption zusammenhänge; und auch bezüglich der Auswirkungen des Geschlechts (männlich) sei man nicht ganz sicher.

ABER: dieses oder jenes unerhörte Verhalten verantwortlicher Erwachsener in schulischem Kontext müsse man jetzt einfach mal besprechen.

„Verhalten“ beschreibt sich folgendermaßen: Junge, zwischen fünf und zehn, äthiopischer Herkunft und adoptiert in weiße Mittelschichtfamilie, wird in eine Extragruppe eingeteilt, deren Motto „Förderung des Sozialverhaltens“ lautet.

Oben angekündigtes Thema also: Diskriminierung schwarzer Jungs in weiß dominierten Institutionen.

Weiter mit den konkreten Fällen: Auf Nachfrage teilt die Lehrkraft wahlweise mit, das Kind habe schwierige Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die diese Maßnahme rechtfertigten (z.B. Lächeln, wenn mit ihm geschimpft werde), oder, das Kind solle anderen in der Gruppe als positives Rollenmodell dienen – womit wir beim springenden Punkt angelangt wären. In diesen Extra-Gruppen für verhaltensschwierige Kinder findet man in überwiegender Mehrzahl schwarze Jungs versammelt.

Mich, Mutter von schwarzen Jungs in Deutschland, überraschen solche Erzählungen nicht die Spur. Eher bin ich befremdet darüber, wie andere Adoptiveltern zum Teil den Betroffenen nahe legen, vielleicht seien ihre Kinder ja doch nicht ganz unschuldig an der „Versetzung,“ Denn Rassismus gäbe es doch nicht wirklich mehr in professionellen Zusammenhängen.

Ich kann mir kein Urteil über die schulischen Umstände und Zusammenhänge in den USA anmaßen, und ich will nicht interpretieren, wie meine Kinder ihre Lebenszusammenhänge als schwarze Heranwachsende im einzelnen deuten. Ich kann nur sagen,wie ich mich verändert habe, seit ich ihre Mutter bin.

Bevor schwarze Heranwachsende in meiner Familie lebten, hätte ich ganz sicher niemals fremde Menschen auf der Straße wegen unangemessener Bemerkungen (über besagte Heranwachsende) zurechtgewiesen;

ich hätte  niemals angenommen, dass ich einmal Lehrer am Telefon darüber in Kenntnis setzen würde, dass mein Kind nicht den Unterricht so lange nicht mehr besuchen würde, bis (zuvor wiederholt eingehend mündlich besprochene) Missstände nicht abgestellt würden.

Ich hätte wohl früher keinem meiner Kinder bereitwillig zugestanden, dass es gerechtfertigt darin sei, einem Jungen eine Ohrfeige zu verpassen. (Zu meinen anderen Söhnen hatte auch niemand je gesagt,  N* sollten alle umgebracht werden).

Gerade innerhalb der schulischen und leistungsbezogenen Zusammenhänge fällt es mir immer und immer wieder auf, wie schnell Schubladen aufgemacht und bedient werden, und wenn es nur darum geht, weniger Mühe und Zeit für ein Kind zu verwenden und bereitwillig anzunehmen, es sei überfordert.

In diesen Wochen kommen einige kleine Jungs in die Schule, die mir am Herzen liegen. Ich wünsche ihren Müttern eine gute Hand darin, ihren Weg in diesem Kontext zu finden. Unter diesen Müttern sind einige, die absolut in Abrede stellen würden, dass ihre schwarzen Söhne aufgrund ihrer Herkunft Nachteile erfahren könnten. Sie glauben, der soziale Status ihrer Familie würde sie schützen. Diesen Müttern wünsche ich, dass ihr Aufwachen nicht allzu schmerzhaft sein wird – ausbleiben wird es nicht.

Um dem möglichen Einwand vorzubeugen, ich sei hier überempfindlich oder unangemessen aufmerksam, möchte ich auf diesen Blogeintrag verweisen, der ganz genau das beschreibt, was ich meine.

Ein Auszug, der über das „Urteil“ eines Erwachsenen zu einem zweijährigen (!) schwarzen Jungen berichtet:

Was he being impulsive- yes
Did he hit and kick other children- maybe
Was he being aggressive- not really
 
But of all the adjectives that could be used (whether accurate or not), the one Adult chose was DANGEROUS, to describe a 2 year old.
 
Maybe Adult would have used that word to describe any of the other children.
But I doubt it.

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