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Resultate des „Durcheinanders“ in den (auch gesetzlichen) Regelungen zu Adoptionen

Dezember 11, 2012

In aller Regel sind Menschen davon überzeugt, dass Adoptionen eine sinnvolle Hilfe für Kinder ohne elterliche Fürsorge darstellen. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

Auf wenig Verständnis stoßen auf Anhieb diejenigen, die Adoptionen als Institution der Kinderfürsorge rundweg ablehnen, oder sogar an Kinderhandel denken und die entsprechende Terminologie gebrauchen, wenn es um Adoption als Institution geht.

Ich behaupte, die letztere Position: dass nämlich Adoption eigentlich institutionalisierter Kinderhandel sei, ist  unmittelbare Konsequenz aus der unzureichenden Regulierung von Adoptionsverfahren und aus dem Anschein von Willkür, welcher viele Entscheidungen und Vorgänge im Umfeld von Adoptionen begleitet. Es entsteht dabei der Eindruck, in den zahlreichen Schlupflöchern und hinter den vielen Ungereimtheiten hätten Profiteure mit krimineller Energie gute Chancen, sich unter dem Deckmantel des guten Werks zu verbergen.

Auch für den, der diese Einschätzungen nicht teilt, bleibt der Geruch einer Grauzone im Umfeld internationaler Adoption zurück, in welcher nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht. Und das ist bitter.

Eine zweite Schwierigkeit begründet sich zum guten Teil aus der fehlenden Regulierung: Die des öffentlichen Umgangs mit Adoption und besonders internationaler Adoption.

Nehmen wir zum Beispiel den Dokumentarfilm „Mercy, Mercy“ und seine Folgen:

Es zeigt sich auch hier, wie immer wieder bei Nachrichten über „fraud„, dass eigentlich nichts der Öffentlichkeit präsentiert wird, was nicht längst schon  Menschen, die sich um Informationen bemühen, hätte bekannt sein müssen. Dennoch tut fast jeder (öffentlich) überrascht und zutiefst bestürzt, nicht ohne sich gehörig über die Skandalisierung zu ereifern, die -bei allem Recht in der Sache – durch irgendwen betrieben werde. (In diesem Dokumentarfilm ist der Vorwurf der Skandalisierung schwerlich an die Filmemacherin zu richten; dafür richtet sich Entsprechendes dann an die dänischen Adoptiveltern).

Bald wird man von einem bedauerlichen Einzelfall ausgehen, und nach wenigen Wochen ist alles vergessen. Die Energie, die gebraucht würde, um sich mögliche Reformen  zu überlegen, fließt in Abwehrreaktionen.  So wie nach „Fly Away Children„, so wie nach vielen weiteren Presseberichten zu den Hintergründen von Adoptionen aus Äthiopien.

Das immer und immer wieder aufs Neue zu beobachten macht traurig und auch sehr mutlos. Es müsste eigentlich allererstes Interesse von Eltern adoptierter Kinder sein, sich um Verfahrenstransparenz und rechtlicher Sicherheit bei Adoptionen und vor allem um zuverlässige Auskünfte und Dokumente zu bemühen und für diese Forderung einzustehen.

Ich habe nur Vermutungen dazu, was einem solchen Bestreben entgegenstehen könnte:

Immer wieder die Auskunft:

„Der Zweck heiligt die Mittel“, oder mit anderen Worten, „Alles besser als eine Heimunterbringung“.

Ja – unbestreitbar ist alles besser als eine perspektivlose Institutionalisierung von völlig alleinstehenden Kindern. Hier vermischen sich aber zwei Ebenen: Wenn eine Heimunterbringung für ein spezielles Kind tatsächlich die einzige Alternative wäre, wäre diese Aussage völlig richtig; tatsächlich aber, und das ist der Punkt, an dem oft Leugnung eintritt, ist das häufig gar nicht der Fall.

Zahlreiche Kinder sind eben – siehe Mercy, Mercy – keineswegs ohne liebevolle Familie, wenn sie adoptiert werden. Das ist so oft und immer wieder dokumentiert und man müsste es eigentlich gar nicht wiederholen …

Und selbst wenn es im einzelnen Fall wirklich und wahrhaftig ganz und gar elternlose Kinder ohne Alternative sind, die zur Adoption gelangen: Rechtfertigt nicht das Risiko, dass es ebenso gut auch nicht so sein könne, schon im Interesse der eigenen (zukünftigen) Kinder ein nachdrückliches Nachfragen nach den genauen Umständen?

Immer wieder die Auskunft:

„Bei uns ist das anders, ich vertraue [y x] und habe auch selbst gründlich recherchiert … “

Während in allen Lebensbereichen von mündigen Staatsbürgern einiges erwartet wird  – unter anderem auch Zivilcourage – funktionieren die Kooperationen mit Adoptionsvermittlungsstellen häufig nach dem Modell des blinden Vertrauens: Wenn etwas nicht sein kann, ist es nicht so – die Wagenburg schließt sich um so fester, je deutlicher sachliche Ungereimtheiten auf den Tisch kommen.

Immer wieder „Wer im Ausland adoptiert, der riskiert eben, sich die Finger schmutzig zu machen; man weiß doch, wie korrupt [x y] ist!“

Ich höre immer unter anderem auch eine Abwertung des Herkunftslandes mit, wenn solche Äußerungen fallen; sicher ist vieles dort anders, aber ob es von hier aus ganz zu verstehen ist, so, dass man es werten könnte … In jedem Fall kann angebliche Korruption anderswo kein Grund für mangelnde Aufsicht hier sein.

Und darüber hinaus wäre es häufig nützlich, sich über die Bestimmungen im Herkunftsland ins Bild zu setzen, bevor man sich dabei ertappt, mit einem aufgebundenen  Bären zu argumentieren.

(Beispiel: Die Auskunft, es sei in Äthiopien nicht erlaubt, einen Säugling zur Adoption freizugeben und deshalb gebe es so viele Findelkinder. Unterzieht man sich der Mühe, sich bei einem Rechtskundigen in Äthiopien zu informieren, wird man überraschende Auskünfte erhalten …)

Jede Anstrengung, die auf diese oder ähnliche Weise der Leugnung von offenkundigen Ungereimtheiten und Problemen gilt, leistet dem unterschwelligen oder offen geäußerten Verdacht Vorschub, internationale Adoption sei in ihrem Kern eigentlich nichts anderes als eine verbrämte Form des Menschenhandels. Und das kann eigentlich keiner wollen, am wenigsten die Eltern, die international adoptierte Kinder großziehen.

Infolgedessen schreibe ich zum Beispiel in diesem Blog in meinem ureigensten Interesse als Mutter, die ihren bald heranwachsenden Söhnen Rede und Antwort stehen muss. Immer wieder habe ich den (manchmal auch freundlich gemeinten) Rat bekommen, mich doch lieber ganz und gar auf meine Familie zu konzentrieren; und phasenweise habe ich das auch von mir aus gerne getan, wenn es nötig war.

Andererseits bringen es die Jahre, in denen ein Blog dann besteht, mit sich, dass man  viele Geschichten hört bzw. liest – im Vertrauen natürlich. Wenn diese Einzelgeschichten auch vertraulich bleiben, so ergeben sie in der Gesamtheit ein Bild, welches antreibt, weiter nach Verbesserungen zu suchen.

Wir haben in Deutschland nicht einmal so viel wie eine Beschwerdestelle für Adoptiveltern, an die sich Menschen mit Anliegen und Informationen wenden können, die sie nicht strafrechtlich verwertet sehen möchten, oder von denen sie aus bestimmten Gründen möchten, dass sie anonym bleiben (auch wenn sie mit Fakten unterlegt sind).

Wenn sich sonst schon nichts bewegt und alles beim Alten bleibt – wäre das nicht wenigstens ein erster Schritt?

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