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Spendenaufruf

März 13, 2011

Ich habe mir längere Zeit überlegt, ob es derzeit, wo der Blick vermutlich aller Leser dieses blogs fest auf Äthiopien gerichtet ist, Sinn macht einen Spendenaufruf zu veröffentlichen, der nicht im Zusammenhang mit Äthiopien steht.

Anlässe zum Spenden ergeben sich niemals zum rechten Zeitpunkt, sondern sie kommen, wie sie kommen. Und allein der Sache nach betrachtet, um die es geht, steht die Bitte um Spenden hier genau am richtigen Platz. Daher geht meine Bitte an alle Leser, sich die Zeit zu nehmen, diesen Artikel bis zum Ende zu lesen und eine Spende in Betracht zu ziehen.

Dieses blog thematisiert immer wieder die Beziehungen zwischen der ersten und der zweiten Familie von Kindern. Hin und wieder beleuchtet es auch Berichte über  Kinderhandel und Betrug bei Adoptionen. In den meisten Fällen werden diese bekannt, wenn neue Eltern Nachforschungen anstellen.

Bei der Geschichte, um die es heute geht, waren es die ersten Eltern, die nach einem Kind suchen mussten, weil es ihnen gestohlen wurde. Sie zeigten das der Polizei an, und fünf Jahre später wurden die Verantwortlichen festgenommen. Sie gestanden die Tat. Es zeigte sich, dass ein lizensiertes indisches Heim den Jungen, wie auch andere gestohlene Kinder, ins Ausland vermittelt hatte. Sein Verbleib konnte ermittelt werden. Es war über eine niederländische Organisation aus Indien nach Holland adoptiert worden. Anhand von Bildern in den Akten des Heimes identifizierten die indischen Eltern schließlich ihr Kind.
Die Organisation „Against Child Trafficking“ unterstützt seit Ende 2005 die Familie, zunächst beim Einreichen  einer Klage vor einem indischen Gericht. Gleichzeitig versuchte ACT, Kontakt zwischen den beiden Familien herzustellen. Jedoch funktionierte das nur anfänglich. Sowohl holländische als auch indische Behörden waren mehrfach mit dem Fall befasst und das indische „Central Bureau of Investigation“ beantragte schließlich bei den zuständigen holländischen Stellen, einen DNA-Test durchzuführen. Da es jedoch kein entsprechendes Abkommen zwischen Indien und den Niederlanden gibt, wurde dem Antrag nicht stattgegeben. Parallel dazu hatte ACT für die Familie einen holländischen Anwalt organisiert, der nach zweijährigen erfolglosen Mediationsversuchen letztlich ebenfalls vor Gericht nach Familienrecht einen DNA Test und Besuchsrecht beantragte.

Das Gericht folgte in seiner Entscheidung auf Anraten einer Adoptionsexpertin dem Wunsch des Jungen und seiner zweiten Familie, den Test nicht durchzuführen. Die indische Familie, die nach Holland gereist war, um vor Gericht aufzutreten und die neue Familie ihres (wahrscheinlichen) Kindes persönlich zu sehen, reiste unverrichteter Dinge zurück und wird möglicherweise niemals mit Sicherheit erfahren, ob es sich bei dem holländischen Jungen um den gestohlenen Sohn handelt. Die Kosten für das psychologische Gutachten jedoch, das  letztlich den Ausschlag für die Ablehnung des Antrags gab, muss nun sie tragen – sie entsprechen in etwa zehn Jahresgehältern.

Während es sowohl von der juristischen als auch von der psychologischen Seite her sicherlich das Recht des Jungen und seiner Familie ist, einen DNA-Test zu verweigern, ist es aus der Sicht der ersten Eltern eine Katastrophe, nicht nur den Raub eines kleinen Kindes und die jahrelange Ungewissheit und Suche zu verkraften, sondern nun vor dem Befund zu stehen, nach all der Mühe gar nichts erreicht zu haben. Vielleicht wird sie in sechs Jahren erfahren, ob der Junge, um den es geht, ihr verlorenes Kind ist, vielleicht aber auch niemals.

Ich konnte als zweite Mutter das Glück und die Erleichterung der ersten Mutter meiner Kinder erleben  als sie hörte und sah, wie gut es ihren Kindern geht. Ihre Kinder waren ihr nicht gestohlen worden. Ich musste auch ihre Bestürzung erleben als sie erfuhr, dass kein unbeschränkter Umgang mit den Kindern möglich sein kann, auch wenn sie nun weiß, wer ihre Eltern geworden sind. Sie konnte verstehen, warum – wer würde das auch nicht, bei einigem Nachdenken. Die Kinder sind jetzt hier daheim. Aber es sind doch auch immer noch ihre Kinder. Und wenn der richtige Zeitpunkt da ist und wenn die Kinder es dann immer noch wollen, werden sie sich alle in einigen Jahren einmal wieder umarmen können.

Meine ganze Sympathie gilt daher dieser indischen Frau, die niemals aufgegeben hat, nach ihrem Kind zu suchen und nicht weiß, ob sie jemals ihr Kind auch nur wieder treffen kann.

Ich weiß, viele Adoptiveltern haben große Vorbehalte gegen die Organisation „Against Child Trafficking“ und möglicherweise auch Bedenken, dass sie, sollten sie spenden, hier eine Sache unterstützen, die nicht ihre ist. Ich finde, solche Bedenken sollten hintan stehen, wenn es um Solidarität innerhalb der Adoptionstriade geht. Und genau dies ist es, wenn einer ersten Mutter, die keinen Erfolg bei ihrer Suche nach einem gestohlenen Sohn hatte, wenigstens – und sei es nur durch einen symbolischen Beitrag – signalisiert wird, dass andere zweite Mütter sie nicht alleine auf ihren Unkosten sitzen lassen.

Der Link zu der ACT-Seite, auf denen man per paypal spenden kann, lautet:
http://www.againstchildtrafficking.org/2011/03/nagarani/
(Ich hätte an dieser Stelle gerne einen funktionstüchtigen PAYPAL- Button eingefügt, wenn es meine technischen Kenntnisse erlaubt hätten. Vielleicht klappt es später noch.)
Die Bankverbindung, unter der Spenden eingezahlt werden können, lautet:

Against Child Trafficking, the Netherlands
„Nagarani“
Bank Account 67 26 82 060
IBAN: NL41 INGB 0672 6820 60
BIC: INGBNL2A
Unten ist der Originaltext aus der ACT-Seite zum Nachlesen:

Parents Nagarani and Kathirvel

Countries: India, The Netherlands
Agencies:  Malaysian Social Services, Meiling

Nagarani and Kathrivel’s son was kidnapped during the night in Chennai, India. Five years later the kidnappers were arrested and they confessed that her son had been sold to an orphanage Malaysian Social Services Chennai and subsequently was given for adoption to adoptive parents in the Netherlands, through the mediation of a Dutch adoption agency.

ACT retraced the child in the Netherlands. The adoptive parents have so far refused to cooperate in DNA testing, to proof that the child is indeed Nagarani’s. ACT helped this Indian family to find a Dutch Attorney and to file a Court case in the Netherlands that took place in June 2010.

After two weeks, Nagarani and Kathirvel went back to India. Without even having met the adoptive parents, who did not appear in Court.

The Family Court of Zwolle-Lelystad has ruled on March 4 2011 in the case. The Indian couple’s request for a DNA test to determine that a boy adopted by Dutch parents is their biological son, was dismissed by the Court. Furthermore, Kathirvel and Nagarani were condemned to pay the costs of the expert hired by the adoptive parents:  4.763 Euros (= 6,574 USD)

If you would like to support Nagarani and Kathirvel’s case:

(http://www.againstchildtrafficking.org/2011/03/nagarani/)

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