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Für werdende Eltern: Häufige Missverständnisse imBezug auf Adoptionen aus Äthiopien

September 28, 2010

Ein durch Adoption zur  Familie gekommenes Kind besitzt das Recht auf den Schutz seiner persönlichen Daten und ist außerdem den leiblichen Kindern rechtlich gleichgestellt. Dazu gehört unter anderem, dass kaum aussagekräftige und öffentliche  Statistiken darüber geführt werden,

– woher die Kinder kommen (Stadt, Land oder längerfristige Heimunterbringung)

– ob sie abgegebene oder verlassene Kinder sind, Voll- oder Halbwaisen

– wie viele Probleme oder Unklarheiten in einzelnen Verfahren mit einzelnen beteiligten Stellen entstanden

– wie viele Adoptionen letztlich nach einer gewissen Zeit in der Familie wegen unvorhersehbarer Problemen scheitern

Es gibt also wenig (statistisch) zuverlässiges  Material, das zukünftigen Eltern Aufschluss geben könnte, welche von den zahlreichen Gerüchten, die man „“so hört“, zutreffen.

Missverständnis eins: Eine weit verbreitete Fehleinschätzung   im Zusammenhang mit der Adoption äthiopischer Kinder ist der Gedanke, es würden vor allem Waisen, die zuvor  ein Dasein als Straßenkinder in größeren Städten gefristet hatten, ins Ausland vermittelt. Dies kann zutreffen, wird es aber in den seltensten Fällen.

Leider gibt es derzeit keine gesicherten Zahlen darüber, wie hoch der Anteil an verlassenen oder nachgewiesenermaßen voll verwaisten Kindern im Verhältnis zu dem der Sozialwaisen oder Halbwaisen ist; jedenfalls lässt sich gesichert sagen, dass man bei Aufnahme eines Kindes damit rechnen muss, dass dieses Kind noch lebende Familienangehörige hat, die es zur Adoption freigegeben haben.

Die Mehrzahl der Kinder stammt aus ländlichen Gebieten und ist nur durch die Aufenthalte in den Heimen an einen Lebenskontext gewöhnt, der sich in etwa mit dem europäischen vergleichen lässt. Zukünftige Eltern müssen also  bei der Aufnahme älterer Kinder mit einer Bandbreite an Primärsozialisation rechnen, die von mittelalterlichen Verhältnissen (kein Wasser, kein Strom, keine Kommunikation, einfachste Landwirtschaft) bis zu annährend europäischen Standards entsprechenden Lebensumständen reichen kann.

Missverständnis zwei: Äthiopische Kinder sind besonders gesund/ bindungsfähig/ wenig durch Hosptitalisierung geschädigt und daher leichter in die Familien zu integrieren, so hört man häufig (auch bei manchen Informationsseminaren mancher Vermittlungsstellen).

Diese Behauptung ist grundsätzlich nicht nur wegen ihrer Generalisierung problematisch. Äthiopische Kinder können durch Hunger und Mangelernährung dauerhaft geschädigt sein und bei längerer Heimunterbringung ebenso wie bei Trennungen von Familienmitgliedern traumatisiert sein, genau so wie alle anderen Kinder dieser Welt. Über die eventuellen Folgen von eventuellem Khat-Konsum großstädtischer Mütter gibt es ebenso wenig zuverlässige Untersuchungen wie über die Häufigkeit von Folgen möglicher Mangelernährung.

Missverständnis drei: Verfahrenssicherheit. Immer wieder hört man im Vertrauen – auch abseits von Skandalberichtersattung – davon, dass Angaben in Berichten und Akten  über die Kinder nicht ganz richtig, teilweise falsch, sehr falsch oder ganz gelogen sind. Gewiss fallen Berichte über diese Verfahrensfehler irgendwann mehr ins Auge als die Vielzahl der bestätigt  korrekten Angaben; Fakt ist aber, dass nicht überprüfbar ist, in wie vielen Fällen falsche Angaben gemacht wurden. weil erstens keine Statistik geführt wird und zweitens viele Eltern über solche Umstände aus Angst wegen noch ausstehender Schritte in der gerichtlichen Nachadoption nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. Leider führt gerade dieses „konspirative“ Element zu erheblicher Verunsicherung bei allen Beteiligten.

Missverständnis vier: Am schlimmsten ist die Wartezeit –  ist das Kind erst da,  wird alles gut. Auch hier „hört man“ immer wieder anderes – zahlreiche Eltern stellen fest, dass sie das Ausmaß an Fremdheit und Traumatisierung ihrer Kinder unterschätzt haben und dass sie das Anderssein der Kinder und die Reaktion der Kinder selbst und ihrer Umwelt darauf unterschätzt haben. Mit einer stabilen Struktur, die Nachbetreuung, Hilfsmöglichkeiten und gegebenenfalls Therapieangebote bereithält, wird man nicht in jedem Fall rechnen können.

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